13 Einstiegsmöglichkeiten für deinen Text

Die Einleitung steht am Anfang und doch wird sie oft am Ende verfasst. Warum? Weil es sich ohne geschriebenen Inhalt häufig schwer anfangen lässt. Was wird der Leser in diesem Text finden, auf welche Stimmung soll er vorbereitet werden und welchen Stil kann er erwarten? All das sind Fragen, die die Einleitung beantworten sollte. Doch welche Arten der Einleitung gibt es überhaupt? Das wirst du in diesem Artikel herausfinden.

Literarische Wortspiele

Ich habe einen Traum, dass eines Tages keine langweiligen Zitat-Missbräuche mehr stattfinden. Und damit haben wir auch schon das erste Beispiel eines literarischen Einstiegs. Neben dem (gewandelten) Zitat gibt es noch einige Andere.

Homonymie (auch Äquivokation)

Die Nutzung von Wörtern, denen verschiedene Bedeutungen zukommen. Dadurch lässt sich spielerisch leicht ein Überraschungseffekt erzielen.

„Der Himmel ist heute ziemlich blau, denn Jesus hat das Wasser gewandelt.“

Paronomasie

Hier nutzt du die klangliche Ähnlichkeit von Wörtern oder Sätzen.

„Lieber arm dran als Arm ab“ oder „Eile mit Weile“

Paragramme

Ein oder mehrere Buchstaben bekannter Redewendungen werden ausgetauscht, sodass das Original noch gut erkennbar bleibt. Zumeist sollte sich etwas Scherzhaftes daraus ergeben.

„Land der Richter und Henker“ statt „Land der Dichter und Denker“.

Spoonerismen bzw. Anagramme

Laute und Buchstaben eines Satzes werden ausgetauscht. Dadurch klingen und erinnern sie oft noch an den ursprünglichen Satz.

„Das ist tell Tod..äh, toll Ted…“ (Die Nackte Kanone – Spoonerismus) bzw.
Sport – Prost oder Evil – Live (Böse – Leben – Anagram)

Paradoxon

Eine sich widersprechende Aussage.

„Weniger ist mehr“

Vorstellen des Themas

Der erste Absatz dieses Artikel macht genau das. Er stellt dir Fragen zum Thema Einleitung und erklärt sie kurzer Hand bzw. sagt dir, was du zu erwarten hast. Das „Vorstellen des Themas“ wird am häufigsten mit anderen Einleitungsmethoden kombiniert. Alleine wirkt dieser Einstieg zu oft langweilig.


Die Leseransprache

Mit der Leseransprache verbindest du dich – du hast es geahnt – mit deinem Leser. Er fühlt sich angesprochen und stimmt dir bestenfalls gedanklich zu.

Anknüpfen an Aktuelles

„Let’s make America […]“. Nein. Das führen wir nicht zu Ende. Aber jeder weiß, was gemeint ist. Deshalb sind aktuelle Einstiege sehr beliebt. Der Leser fühlt sich in seinem Wissen bestätigt.

Bei einer Abwandlung davon, bringst du dem Leser etwas bei. Wie z.B. „Forscher haben herausgefunden, dass…“. Interessiert den Leser die Information, ist er dir sehr dankbar und hat die nächste Gesprächseröffnung für seinen Stammtisch.

Persönliche Erlebnisse

Als ich auf Bali Urlaub machte, stachen mich die Insekten zu Tode. Deshalb sprühte ich mich eines Nachts mit Insektenspray ein. Leider war das für die Raumluft und nicht für den Körper gedacht. Drei Tage lang brannte meine Haut wie die Hölle.

Menschen interessieren sich für andere Menschen. Sei es Obamas Twitter oder das Instagram der Nachbarin. Kennst du jemanden, interessieren dich seine Erzählungen gleich um einiges mehr. Durch persönliche Geschichten lässt sich diese Ebene einfacher erreichen.


Emotional

Ähnlich dem vorherigen Einstieg durch persönliche Erlebnisse, möchte sich der Leser hineinversetzen können. Es muss ihn bewegen. Heutzutage sind Menschen durch das Internet und die leichte Zugänglichkeit jedes Mediums abgehärtet. Deshalb sollte man Gutes noch besser machen und Schlechtes noch schlechter. So erwischt du auch knallhartes Publikum. Dieser Ratschlag kommt übrigens aus dem Hollywood-Drehbuch-Bereich (Buch: „Save the Cat“).

Historischer Einstieg

1492 entdeckte ein Salzburger das weltbekannte Stiegl-Bier. Na gut. Normalerweise sollte der historische Einstieg fundamentaler und allgemein interessant sein. Aber du siehst, was damit gemeint ist. Ein kurzes geschichtliches Fakt interessiert den Leser. Freudig eignet er es sich an und vergisst es vermutlich bald darauf wieder. Aber dieses kurze Interesse reicht, um ihm einen lockeren Einstieg zu gewährleisten.

Konflikt

Im österreichischen Magazin Datum gab es letztens einen starken Artikel zum Thema der Rückkehr des Wolfes in die Schweiz. Pro und Contra wurden dabei sehr schön beleuchtet. Der Einstieg erklärte den Konflikt objektiv und ohne etwas vorweg zu nehmen. Als Leser möchtest du sofort wissen, was denn nun „richtig“ ist.

Direkteinstieg

In einigen Textsorten und Themen ist der Direkteinstieg die richtige Lösung. Kein Vorspiel; es geht gleich zur Sache.

Szenisch

Vor meinen Augen der strahlend blaue Himmel über beschneiten Bergkuppen und am Fuß des Berges ein See umringt von grünem Tal.

Diese Einleitung sollte ein Bild in die Vorstellung des Lesers malen. Szenisches Schreiben findet sich immer in Drehbüchern. Denn lässt man den Ton weg, kann ein Film nur noch bildlich darstellen. Ebenso können Emotionen nur durch Handlungen oder die direkte Aussage eines Protagonisten übertragen werden.

Spannung erzeugen / Statement ohne Auflösung

Er öffnete die Tür seiner Kapsel und vor ihm nichts als Wolkenfetzen und die Erde. Sein erster Schritt Richtung Abgrund wog schwer. Der zweite machte ihn federleicht. Die Geschichte eines Mannes, der seine bisher größte Herausforderung wagte.

Spannung kann durch viele Methoden erzeugt werden. Das hier ist ein Beispiel für den Einstieg mitten in die Geschichte. Du versprichst dadurch dem Leser etwas, das er im Fließtext wiederfinden will.

These & Provokation

Trump ist genial, Obama war mies. Egal ob diese Aussagen richtig oder falsch sind; sie erzeugen Reibung und werden eine Diskussion lostreten. Zumindest im Kopf des Lesers. Außer er stimmt exakt damit über ein.

Humor

Sehr schwierig. Denn Humor ist so subjektiv wie eine politische Meinung. Wobei die politische Meinung zumindest provoziert. Das kann Humor größtenteils nicht (tiefschwarzer ausgenommen). Entweder du triffst genau den Geschmack des Lesers oder du langweilst ihn zu Tode.

 

Selbstverständlich können alle möglichen Arten des Einstiegs kombiniert werden, um die optimale Einleitung zu formulieren. Eine perfekter Anfang richtet sich dabei nicht nach den Vorlieben des Verfassers, sondern vielmehr an die Zielgruppe, die erreicht werden soll. Vielleicht befindet sich hier auch schon das nächste Thema versteckt. Wir werden sehen.

Fehlt euch eine Einleitung? Wollt ihr noch etwas ergänzen? Ich freue mich immer über Feedback. Mehr Input für alle!

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*