Zielgruppenorientiert schreiben

Du bist besonders und einzigartig. Versteh das bitte nicht falsch. Ob du besonders gut oder einzigartig talentiert bist, sei dahingestellt. Aber deine Denkweise und dein Charakter, deine Vorlieben und deine Erwartungen sind anders als die deines Nachbarn. Dadurch stellen sich die Fragen: Wie kann man mehrere Menschen in Zielgruppen zusammenfassen und für sie schreiben?

Wieso, weshalb, warum überhaupt?

Lesen ist die subjektive Aufnahme der niedergeschriebenen Gedanken eines anderen Menschen. Doch Leser nehmen Botschaften sehr unterschiedlich auf. Erfahrungen und Erlebnisse schaffen in jedem Menschen Vorstellungen und Ansichten, die die Wahrnehmung eines Textes verändern. Aus diesem Grund bist du als Autor gefordert, dich in deine Leserschaft hineinzuversetzen und zielgruppenorientiert zu schreiben.

So außergewöhnlich jeder Mensch ist, lassen sich sein Verhalten und seine Erwartungen auf Typologien und Merkmale herunterbrechen. Deshalb gibt es diverse Systeme, die Persönlichkeiten in Kategorien zusammenfassen.

Zielgruppen einteilen

Zielgruppen einteilen

Den ersten Schritt zum zielgruppenspezifischen Text gehen wir mit der Theorie. Du musst wissen, wie Zielgruppen eingeteilt werden können, bevor du für sie schreiben kannst.

Zielgruppen (Personen, nicht Unternehmen!) werden grundsätzlich in vier Kategorien unterteilt:

  • Demografisch (Alter, Geschlecht, Familienstatus, Wohnort,..)
  • Sozioökonomisch (Bildung, Einkommen, Beruf,..)
  • Psychografisch (Einstellung, Motivation, Meinungen,..)
  • Konsumverhalten (Impulsiv, analytisch, preissensibel,..)

Genauer betrachtet, haben sich über die Jahre einige Zielgruppen-Typologien entwickelt, die als marktführend gelten. Folgende Modelle sind für das zielgruppenorientierte Schreiben sinnvoll und werden hier erörtert:

  • Das DISG-Modell,
  • die Empathie-Landkarte und
  • der Sinus-Milieus.

Für jede dieser Typologien entsteht eine Zielgruppe, die du adressieren möchtest. Dabei ist es besonders wichtig, dass du auch verstehst, wo du dich selbst einzuordnen hast. Denn genau diese deine Schreibweise musst du anpassen und umformulieren können.

Abgesehen von den verschiedenen Typologien kannst du, wenn vorhanden, natürlich auch auf Marktforschungsergebnisse oder deine eigenen Statistiken zurückgreifen. Ich persönlich besitze keine solchen Daten.

DISG-Modell

Die Typologie des DISG-Modells (engl. DISC) befasst sich mit der Beschreibung von Persönlichkeiten und wurde erstmals von William Moulton Marston im Jahr 1928 erwähnt. Dabei bedeuten die Buchstaben D-I-S-G:

  • Dominant (Dominance)
  • Initiativ (Inducement)
  • Stetig (Submission)
  • Gewissenhaft (Compliance)

Je nach Übersetzung werden verschiedene Begriffe verwendet, um die Buchstabenreihenfolge gemäß dem Englischen zu erhalten. Wichtig ist dabei nur, dass der Sinn weiterhin verständlich bleibt.

Es lassen sich einige Online-Tests für dieses Modell finden. Folgenden kann ich empfehlen:

https://www.psychomeda.de/online-tests/persoenlichkeitstest.html

Für den Test solltest du in etwa 10-20 Minuten einkalkulieren. Durch diesen „Fragebogen“ hast du bereits die erste Typologie, in die du dich selbst kategorisieren kannst. Dabei sind die Ergebnisse zumeist in ein bis maximal zwei der vier Gruppen (Buchstaben) höher ausschlagend.

Empathie-Landkarte

Die Empathie-Landkarte wurde von xplane.com entwickelt und beschäftigt sich mit dem Verhalten und der Denkweise deiner Zielgruppe. Dabei wird versucht, die Zielgruppe durch die Kategorien Denken und Fühlen, Sehen, Sagen und Tun, Hören, Hotpoint/Lust und Funpoint/Frust besser interpretieren. Um zu verstehen, was deine Adressaten von dir erwarten, versetzt du dich in all den sechs Punkten in sie hinein und notierst dir die essentiellen Eigenschaften, Merkmale und Verhaltensweisen.

Empathie-Landkarte

Quelle: Fly-Higher

Denken und Fühlen
Was geht im Kopf der Zielgruppe vor? Hier werden Hoffnungen, Wünsche, Träume und Sorgen notiert.

Sehen
Beschreibe wie das Umfeld deines potentiellen Lesers aussieht. Wie ist seine Familiensituation, wer sind seine Freunde, wie lebt er, was sieht er täglich?

Sagen und Tun
Wie verhält sich deine Zielgruppe? Was macht deine durchschnittliche Person in der Öffentlichkeit aus? Ist er extrovertiert oder eher zurückgezogen? Welche Hobbies übt er aus?

Hören
Hören bezieht sich auf die äußeren Einflüsse des potentiellen Lesers. Von was wird er beeinflusst? Welche Medien berühren ihn, was sagt sein Umfeld und wie beeinflusst ihn dieses?

Hotpoint bzw. Frust
Probleme die dein Kunde hat. Weshalb sucht er nach deiner Lösung?

Funpoint bzw. Lust
Im Funpoint sieht dein potentieller Kunde das Mittel zur Lösung seines Problems. Damit lässt er sich „locken“. Was will deine Zielgruppe erreichen?

Sinus Milieus

Die detaillierteste Typologie in diesem Artikel. Sie wurde von dem Markt- und Sozialforschungsunternehmen Sinus entwickelt. Dabei beachtet sie soziodemographische, geografische, verhaltensbezogene und lebensweltliche Variablen. Die zwei Dimensionen „Soziale Lage“ (Unter-, Mittel- oder Oberschicht) und „Grundorientierung“ (z.B. Traditionelle Werte, Modernisierung oder Neuorientierung) führen zu verschiedenen Zielgruppen, „die es wirklich gibt“. Folgende Grafik zeigt die Einteilung der österreichischen Bevölkerung im Jahr 2015.

Quelle: Sinus-Institut

Um die entstandenen Zielgruppen genauer zu verstehen, lade ich dich ein, einen kurzen Blick auf die interaktive Grafik der Website des Sinus-Instituts zu werfen. Dort werden typische Verhaltensweisen, Vorlieben und Erwartungen der Zielgruppen erläutert.

Wie schreibe ich für meine Zielgruppe?

Da du nun die wichtigsten Methoden zur Zielgruppenorientierung kennst, geht es ans Eingemachte. Ob all diese Modelle oder eines davon zum Einsatz kommen, bleibt ganz dir überlassen. Vermutlich hast du dich aber schon gefragt, wie man die ganze Theorie in die Praxis ummünzt?

Wenn dein Text voll und ganz auf deine Zielgruppe abgestimmt sein soll, stell dir deine potentiellen Leser nicht als hunderte oder gar tausende Menschen vor. Baue dir einen Archetypen der Masse zusammen. Dieser Archetyp wird als Buyer Persona bezeichnet und soll eine fiktive Person darstellen, für die du schreibst. In der Buyer Persona fließen verschiedenste Fragestellungen und Werte ein, die das Profil deines Archetypen vervollständigen. So unter anderem Beruf, Geschlecht, Auftreten, Ziele, Herausforderungen und noch vieles mehr.

Natürlich lassen sich via Google etliche Muster finden. Eine gute gratis Vorlage mit Erklärung bietet z.B. HubSpot an.

Sobald du deine Buyer Persona vervollständigt hast, kannst du dich voll und ganz in sie hineinversetzen. Welche Worte würde deine fiktive Person wählen? Ist sie vom Fach (Fremdwörter und Fachbegriffe)? Verkehrt sie in gehobenen Kreisen (hochtrabend und schwierige Sätze)? Was sind ihre Hobbies und wie verbindet sie das mit deinem Text (Anspielungen, Einleitung)? Es gibt viele Fragen, die man sich dabei stellen kann und die deinen Schreibstil, die Wortwahl und Struktur beeinflussen.

Tipp: Wenn du zielgruppenorientiertes schreiben üben möchtest, nimm dir eine Person aus deiner Nähe – jemanden, den du besonders gut kennst. Versuche einen Text für ihn zu verfassen und wähle bewusst ein Thema das nicht seinen Vorlieben entspricht. Probiere sein Interesse durch deinen Stil zu wecken und bitte um ehrliches Feedback.

Auf den ersten Blick mag zielgruppenorientiertes Schreiben komplex und aufwendig erscheinen. Wie so oft im Leben wird der Aufwand durch Übungen schnell weniger und am Ende geht es ganz von selbst. Denn dann kennst du die verschiedenen Varianten der Zielgruppen bereits und weißt, wie sie zu adressieren sind.

Wie man gut schreibt

Die folgenden 15 Tipps kursieren schon lange in der Online- und Offline-Sphäre. Doch gerade heute, in einer Zeit, in welcher der Großteil der Menschen soziale Netzwerke mit seinen Texten bespielt, sollten sie wieder mehr Anklang finden. Danke für diese kurze und prägnante Auflistung Thies Thiessen.

1. Alliterationen auslassen. Allezeit.

2. Fuck Anglizismen!

3. Denk Dir keine Sätze, die das Prädikat zerteilen, aus.

4. Achte auf korekte Orthographie, und Interpunktion

5. Meide das Klischee wie der Teufel das Weihwasser.
Es ist ein alter Hut.

6. Vergleiche sind schlimmer als Klischees.

7. Am schlimmsten sind Superlative.

Achtens: Halte Aufbau und Stil durch.

9. Sei mehr oder weniger spezifisch.

10. Kein Mensch mag allgemeine Behauptungen.

11. Sei nicht redundant, benutze nicht mehr Wörter als nötig.
Das ist nämlich total absolut überflüssig.

13. Wer braucht rhetorische Fragen?

14. Übertreibung ist eine Million mal schlimmer als Untertreibung.

15. Aufzählungen mit mehr als 10 Punkten werden unübersichtlich.

Jeder dieser 15 Tipps hat seine Berechtigung; und du solltest sie kennen. Denn nur wenn man die“Regeln“ kennt und versteht, kann man sie stilistisch sicher und richtig einsetzen.

13 Einstiegsmöglichkeiten für deinen Text

Die Einleitung steht am Anfang und doch wird sie oft am Ende verfasst. Warum? Weil es sich ohne geschriebenen Inhalt häufig schwer anfangen lässt. Was wird der Leser in diesem Text finden, auf welche Stimmung soll er vorbereitet werden und welchen Stil kann er erwarten? All das sind Fragen, die die Einleitung beantworten sollte. Doch welche Arten der Einleitung gibt es überhaupt? Das wirst du in diesem Artikel herausfinden.

Literarische Wortspiele

Ich habe einen Traum, dass eines Tages keine langweiligen Zitat-Missbräuche mehr stattfinden. Und damit haben wir auch schon das erste Beispiel eines literarischen Einstiegs. Neben dem (gewandelten) Zitat gibt es noch einige Andere.

Homonymie (auch Äquivokation)

Die Nutzung von Wörtern, denen verschiedene Bedeutungen zukommen. Dadurch lässt sich spielerisch leicht ein Überraschungseffekt erzielen.

„Der Himmel ist heute ziemlich blau, denn Jesus hat das Wasser gewandelt.“

Paronomasie

Hier nutzt du die klangliche Ähnlichkeit von Wörtern oder Sätzen.

„Lieber arm dran als Arm ab“ oder „Eile mit Weile“

Paragramme

Ein oder mehrere Buchstaben bekannter Redewendungen werden ausgetauscht, sodass das Original noch gut erkennbar bleibt. Zumeist sollte sich etwas Scherzhaftes daraus ergeben.

„Land der Richter und Henker“ statt „Land der Dichter und Denker“.

Spoonerismen bzw. Anagramme

Laute und Buchstaben eines Satzes werden ausgetauscht. Dadurch klingen und erinnern sie oft noch an den ursprünglichen Satz.

„Das ist tell Tod..äh, toll Ted…“ (Die Nackte Kanone – Spoonerismus) bzw.
Sport – Prost oder Evil – Live (Böse – Leben – Anagram)

Paradoxon

Eine sich widersprechende Aussage.

„Weniger ist mehr“

Vorstellen des Themas

Der erste Absatz dieses Artikel macht genau das. Er stellt dir Fragen zum Thema Einleitung und erklärt sie kurzer Hand bzw. sagt dir, was du zu erwarten hast. Das „Vorstellen des Themas“ wird am häufigsten mit anderen Einleitungsmethoden kombiniert. Alleine wirkt dieser Einstieg zu oft langweilig.


Die Leseransprache

Mit der Leseransprache verbindest du dich – du hast es geahnt – mit deinem Leser. Er fühlt sich angesprochen und stimmt dir bestenfalls gedanklich zu.

Anknüpfen an Aktuelles

„Let’s make America […]“. Nein. Das führen wir nicht zu Ende. Aber jeder weiß, was gemeint ist. Deshalb sind aktuelle Einstiege sehr beliebt. Der Leser fühlt sich in seinem Wissen bestätigt.

Bei einer Abwandlung davon, bringst du dem Leser etwas bei. Wie z.B. „Forscher haben herausgefunden, dass…“. Interessiert den Leser die Information, ist er dir sehr dankbar und hat die nächste Gesprächseröffnung für seinen Stammtisch.

Persönliche Erlebnisse

Als ich auf Bali Urlaub machte, stachen mich die Insekten zu Tode. Deshalb sprühte ich mich eines Nachts mit Insektenspray ein. Leider war das für die Raumluft und nicht für den Körper gedacht. Drei Tage lang brannte meine Haut wie die Hölle.

Menschen interessieren sich für andere Menschen. Sei es Obamas Twitter oder das Instagram der Nachbarin. Kennst du jemanden, interessieren dich seine Erzählungen gleich um einiges mehr. Durch persönliche Geschichten lässt sich diese Ebene einfacher erreichen.


Emotional

Ähnlich dem vorherigen Einstieg durch persönliche Erlebnisse, möchte sich der Leser hineinversetzen können. Es muss ihn bewegen. Heutzutage sind Menschen durch das Internet und die leichte Zugänglichkeit jedes Mediums abgehärtet. Deshalb sollte man Gutes noch besser machen und Schlechtes noch schlechter. So erwischt du auch knallhartes Publikum. Dieser Ratschlag kommt übrigens aus dem Hollywood-Drehbuch-Bereich (Buch: „Save the Cat“).

Historischer Einstieg

1492 entdeckte ein Salzburger das weltbekannte Stiegl-Bier. Na gut. Normalerweise sollte der historische Einstieg fundamentaler und allgemein interessant sein. Aber du siehst, was damit gemeint ist. Ein kurzes geschichtliches Fakt interessiert den Leser. Freudig eignet er es sich an und vergisst es vermutlich bald darauf wieder. Aber dieses kurze Interesse reicht, um ihm einen lockeren Einstieg zu gewährleisten.

Konflikt

Im österreichischen Magazin Datum gab es letztens einen starken Artikel zum Thema der Rückkehr des Wolfes in die Schweiz. Pro und Contra wurden dabei sehr schön beleuchtet. Der Einstieg erklärte den Konflikt objektiv und ohne etwas vorweg zu nehmen. Als Leser möchtest du sofort wissen, was denn nun „richtig“ ist.

Direkteinstieg

In einigen Textsorten und Themen ist der Direkteinstieg die richtige Lösung. Kein Vorspiel; es geht gleich zur Sache.

Szenisch

Vor meinen Augen der strahlend blaue Himmel über beschneiten Bergkuppen und am Fuß des Berges ein See umringt von grünem Tal.

Diese Einleitung sollte ein Bild in die Vorstellung des Lesers malen. Szenisches Schreiben findet sich immer in Drehbüchern. Denn lässt man den Ton weg, kann ein Film nur noch bildlich darstellen. Ebenso können Emotionen nur durch Handlungen oder die direkte Aussage eines Protagonisten übertragen werden.

Spannung erzeugen / Statement ohne Auflösung

Er öffnete die Tür seiner Kapsel und vor ihm nichts als Wolkenfetzen und die Erde. Sein erster Schritt Richtung Abgrund wog schwer. Der zweite machte ihn federleicht. Die Geschichte eines Mannes, der seine bisher größte Herausforderung wagte.

Spannung kann durch viele Methoden erzeugt werden. Das hier ist ein Beispiel für den Einstieg mitten in die Geschichte. Du versprichst dadurch dem Leser etwas, das er im Fließtext wiederfinden will.

These & Provokation

Trump ist genial, Obama war mies. Egal ob diese Aussagen richtig oder falsch sind; sie erzeugen Reibung und werden eine Diskussion lostreten. Zumindest im Kopf des Lesers. Außer er stimmt exakt damit über ein.

Humor

Sehr schwierig. Denn Humor ist so subjektiv wie eine politische Meinung. Wobei die politische Meinung zumindest provoziert. Das kann Humor größtenteils nicht (tiefschwarzer ausgenommen). Entweder du triffst genau den Geschmack des Lesers oder du langweilst ihn zu Tode.

 

Selbstverständlich können alle möglichen Arten des Einstiegs kombiniert werden, um die optimale Einleitung zu formulieren. Eine perfekter Anfang richtet sich dabei nicht nach den Vorlieben des Verfassers, sondern vielmehr an die Zielgruppe, die erreicht werden soll. Vielleicht befindet sich hier auch schon das nächste Thema versteckt. Wir werden sehen.

Fehlt euch eine Einleitung? Wollt ihr noch etwas ergänzen? Ich freue mich immer über Feedback. Mehr Input für alle!

Kreativitätstechniken – So bringst du deine Gedanken aufs Papier Teil 2

Immer noch nichts aufs Papier gebracht? Es wird Zeit, deinen Allerwertesten zu heben! In Teil 2 der Reihe „Kreativitätstechniken – So bringst du deine Gedanken aufs Papier“ zeig ich dir, wie du dich abseits des Schreibens zum Schreiben bringst.

Um deinem Gehrin Feuer unterm Hintern zu machen, gibt es drei Möglichkeiten, die du nutzen solltest: Kreativitätstechniken (Teil 1!), aktive und passive Vorgehensweisen.

Bei aktiven Maßnahmen geht es, wie der Begriff schon verrät, ums tun. Weg vom Gerät, weg vom gewohnten Umfeld, weg vom Alltäglichen.

Rausgehen

Simple as that. PC, Schreibmaschine, Handy, Telegraf und Zauberstab weg. Raus aus dem Büro, dem Haus, der Wohnung und los geht’s.

Alles was du jeden Tag machst, sollte vermieden werden. Triff Menschen. Mehr Inspiration, als von anderen Personen, kannst du dir nicht wünschen. Denn:

Jeder Mensch weiß etwas, das du nicht weißt!

Ob Freund oder Feind ist dabei egal. Bestenfalls sprichst du mit dir komplett Fremden. Wer weiß, was für ein Funke deine grauen Zellen entfacht.

Keinen Freund zur Hand und zu schüchtern, jemanden anzusprechen? Es gibt auch andere Möglichkeiten. Mein Oberstübchen rattert am besten, wenn ich Sport mache. Sei es Laufen, Fitnesscenter oder Quidditch.

Arbeitsplatz wechseln

Kreativitätstechnik - Arbeitsplatz
Die meisten Personen arbeiten von ein und demselben Arbeitsplatz. Tagein, tagaus. Egal ob Büro oder Eigenheim – wechsle dein Umfeld.

Wenn ich viel schreibe, arbeite ich nie einen ganzen Tag vom selben Ort aus. Zum Beispiel heute: Zuhause, Café, Dachboden. Und der Tag geht noch lange nicht dem Ende zu.

Sprich laut und hör‘ dir zu

Klingt seltsam, ist aber so. Wenn du anstehst und dir ein Gedanke im Gehirn stecken bleibt, wirkt diese Methode Wunder. Warum sollte das funktionieren? Relativ einfach und logisch. In einem Gespräch mit deinem besten Kumpel oder deiner besten Freundin flutschen die Worte doch auch wie geschmiert. Selbiges gilt für die Konversation mit dir selbst.

Mit sich selbst sprechen korrigiert auch deine Texte. Journalisten, Autoren und Texter nutzen diese Vorgehensweise, um Texte dem Leser näher zu bringen – als würde jemand mit dir sprechen.

„Schreibe nur, wie du reden würdest, und so wirst du einen guten Brief schreiben.“
Johann Wolfgang von Goethe

Recherche & Lesen

Ein heikles Thema. Denn oft verzettelt man sich in der Recherche und zögert hinaus. Recherche ist wichtig. So eignest du dir das notwendige Wissen an, um fundiert zu schreiben. Vermeide jedoch überflüssige Recherche. Versuch lieber, los zu starten. Während des Schreibens merkst du ohnehin, ob dir noch Input fehlt.

Steckst du fest? Probier mal Texte gleichen Inhalts, gleicher Schreibweise und, bestenfalls, gleicher Länge zu lesen. So stellst du dich und deinen Denkapparat auf das ein, was kommt. Aber Achtung: „falsche“ Texte zu lesen, wirft einen schnell aus der Bahn. Mich hatte eben das Zitat von Goethe zehn Minuten lang in lyrisches Schreiben versetzt. Das kann man hier wirklich nicht brauchen.

 

Schreibblockaden vorbeugen

Kreativitätstechnik - Vorbeugen

Optimalerweise kommt es gar nicht zur Schreibblockade. Denn du kennst jeden Trick, um das verhindert zu wissen.

Das richtige Umfeld

Jeder Mensch tickt anders. Und noch mal anders sind Schreiber. Den Arbeitsplatzwechsel haben wir zuvor schon besprochen. Nicht nur der Wechsel, aber auch das „wie“ des Arbeitsortes spielt eine Rolle. Und zwar „Wie ist er gestaltet?“. Es soll Personen geben, die von überall und mit jeder Umgebung arbeiten können. Ich kann das nicht.

Je nach Text beflügeln verschiedene Umstände. Vielerlei Orte kann man sich aussuchen und richtig wählen.

Ein bekannter Journalist (Name darf nicht genannt werden) führte ein Interview mit einem Konzern-Geschäftsführer der Metallbranche. Dabei vermied er es, das Gespräch in dessen Büro abzuhalten. Das hätte zu einer langweiligen „Befragung“ geführt. Stattdessen traf er sich mit ihm in der Fabrik neben den Maschinen.

Überleg dir, was dich inspiriert und welche Umgebung zu deinem Thema passen könnte. Mich reizen Höhen und Ausblicke, wie Skybars und Almen. Probier’s mal aus.

Störfaktoren raus

Das geilste Gefühl der Welt: der Flow-Zustand. Mitten in der Welt deiner Gedanken und sie prasseln aufs Papier. RING-RING – Telefon. Und aus.

Wenn du schreibst, dann schreibst du. Wirf alles raus und schalt alles aus, das dir in die Quere kommen könnte. Deine Katze, dein Telefon, deine zu lauten Gasleitungen.

Es gibt eine Zeit zum Lesen und es gibt eine Zeit zum Schreiben

Schaff dir deine Zeit zum Schreiben. Selbst wenn du Berufes wegen schreibst, sind keine 100% reines Schreiben. Deshalb nimm dir explizit die Zeit heraus und schreib in dieser Zeitspanne ohne Umschweife.

Irgendwann wird das zur Routine und dein gesamter Körper wartet nur darauf, in die Tasten zu hauen. Wenn du dafür Informationen oder Vorbereitung benötigst, nimm dir auch dafür Zeit. Aber während deiner Schreibzeit, ist Schreibzeit.

Schreibstopp & Textwechsel

Du ratterst auf deiner Schreibmaschine Zeile um Zeile herunter und plötzlich kommt nichts mehr. Dein Gehirn blockiert. Schon hast du ein probates Mittel gegen Schreibblockaden ignoriert.

Ernest Hemingway
 „The best way is always to stop when you are going good and when you know what will happen next. If you do that every day when you are writing a novel you will never be stuck.”
Ernest Hemingway

Auf Deutsch: Am Besten hörst du zu schreiben auf, wenn alles gut läuft und du weißt, wie es weiter geht. Machst du das jeden Tag , wenn du einen Roman schreibst, wirst du nie stecken bleiben.

Wenn du super drin bist und in deinem Schreibfluss dein Dokument überflutest, musst du trotzdem ein Ende finden. Dieser Stopp sollte niemals das Ende deiner Gedanken sein. Sobald du nicht mehr weiter weißt, hast du das Problem auch noch am nächsten und übernächsten Tag. Deshalb hör lieber vorzeitig auf.

Dein Schreibflow bedeutet dir gerade zu viel? Dann wechsle den Text. Lass die Ideen woanders weiter sprudeln. Den Text zu wechseln unterstützt dich auch bei Schreibblockaden. Bist du bei einem Text am Limit, schreib an einem anderen weiter.

Schreibjournal/-tagebuch

Gedanken streifen ohne Unterbrechung durch deinen Kopf – ob du es willst oder nicht! Es ist ein Verbrechen, sie nicht festzuhalten.

Wer kein Schreibjournal nutzt, ist selber schuld. Eines liegt neben dem Bett, ein zweites immer am Schreibtisch. Nenn mir einen Grund, weshalb du keines hast.

Im Schreibtagebuch notierst du alles, was irgendwie relevant sein könnte. Die Art und Weise und Form wählst du selbst. Von der Geschichtsidee bis zu neuen Schreibstilen darf alles rein.

Kaum eine Methode überrascht mehr. Blätter mal nach einigen Monaten durch dein Journal und lass dich inspirieren. Die eine oder andere Idee hast du vermutlich schon wieder vergessen. Ohne dein Tagebuch wäre sie nie wieder zu dir zurückgekommen.

Es gibt etliche Vorgehensweisen und Methoden – sei es noch so skurril und abwegig. Wie gehst du vor, wenn du in der Luft hängst? Teil‘ deine Techniken – mehr Input für alle!

Kreativitätstechniken – So bringst du deine Gedanken aufs Papier Teil 1

Wer kennt das nicht: Du sitzt vor einem leeren Dokument und die Worte schaffen es nicht aus deinem Kopf. Chronisch gesehen betitelt man dieses Phänomen als Schreibblockade. Besonders Personen mit regelmäßigen Schreibaufgaben sind davon betroffen, aber auch Menschen die selten einen Stift in die Hand nehmen. Hier findest du einfache Tipps und Tricks in Form von Kreativitätstechniken.

Kreativitätstechniken

  • Sprachübungen
  • Brainstorming
  • Clustering
  • Mindmaps
  • Freewriting

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Sprachübungen

Bevor du überhaupt mit deinem Text beginnst, bereite dich darauf vor. Einfache Sprachübungen helfen deinem Gehirn, warm zu werden. Sie geben das Signal – jetzt passiert bald etwas. Deine Kreativneuronen werden dadurch „warm geschossen“. Die Übungen sollten dabei nicht zu schwer sein und dein Gehirn gleich überanstrengen. In erster Linie geht es darum, sich in die richtige Stimmung zu versetzen.

Im Internet finden sich zahlreiche Seiten mit gratis Übungen wie z.B. Deutsch und Deutlich. Such dir etwas heraus und nimm dir 10 Minuten Zeit. Danach geht es bestimmt schon mal leichter.

Brainstorming

Kreativitätstechnik-Brainstorming

Das altbekannte Brainstorming. Weißt du, kennst du, aber nutzt du? Nur weil es alt und bekannt ist, heißt das nicht, dass es schlecht geworden ist. Die „Denkrunde“ oder auch „Ideensammlungsmethode“ bietet nach wie vor eine der besten Vorgehensweisen um Ideen, Anstöße, andere Blickwinkel und Eingebungen zu kreieren.

Üblicherweise  sammelt man in einer Gruppe während eines Zeitlimits Vorschläge und Einwürfe. Dabei darf auf keine der eingebrachten Ideen eingegangen werden (kommentar- und kritiklos).

Ist die Zeit abgelaufen, beginnt die Kritikphase. Es wird in der Gruppe darüber gesprochen, ausgewählt und weiterentwickelt.

TIPP: Probiers einfach mal selbst aus. Stell dich vor ein Whiteboard oder ein großes Blatt Papier und kritzel jede noch so dämliche Idee darauf, ohne genauer darüber nachzudenken. Dabei kommen oft die verwunderlichsten Anstöße.

Clustering

Beim Clustering bildest du von einem Wort oder Gedanken ausgehend ein Netzwerk mit eben diesen Worten und Gedanken. Vereinfacht gesagt – du schreibst ein Wort auf ein leeres Blatt Papier und beginnst alles damit zu assoziierende daran anzuknüpfen. Jedes Wort wird eingekreist. Von jedem Kreis aus zeichnest du eine Linie zur nächsten Assoziation. Sollte eine Assoziationskette enden, beginnst du wieder beim ersten Wort.

Das Clustering wird häufig mit der Mindmap verwechselt. Womöglich liegt das daran, dass nur Wenige bisher eine „regelkonforme“ Mindmap erstellt haben. Sehen wir uns einfach an, was bei einer richtigen Mindmap beachtet werden sollte.
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Kreativitätstechnik-Mindmap

Mindmap

Die Kreativitätstechnik der Mindmap ist eine weiterentwickelte Form des Clusterings. Du beginnst mit einem Begriff auf einem leeren Blatt Papier. Dann wird systematisch vorgegangen. Vom Anfangsbegriff aus führen Äste (Assoziationen) weg, die je nach Thema bereits gut überlegt sein sollten. Desto weiter die Verknüpfungen reichen, desto kleiner wird die Schrift. So soll die Wichtigkeit auf einen Blick erkennbar bleiben.

Zugegeben. Mindmaps sind oft bereits zu systematisch, um dem tatsächlichen Schreiben auf die Sprünge zu helfen. Persönlich bleibe ich da immer eher beim Vorgänger – dem Clustering. Aber es mag ja auch systemische Schreiberlinge geben.

Freewriting

Auch wenn ich das Freewriting nur selten einsetze, ist es definitiv meine liebste Kreativitätstechnik. Doch auch hier gibt es wieder Vorgaben bzw. Rahmenbedingungen.

Setz dich vor ein leeres Blatt Papier (oder Dokument). Wenn du ein bestimmtes Thema bearbeiten willst, schreib‘ dir eine Überschrift auf. Falls nicht, lass sie weg. Stell dir einen Wecker auf eine für dich angenehme Zeit – üblicherweise zwischen 5 und 20 Minuten. Es geht los. Schreib alles auf, was dir durch den Kopf geht. Bestenfalls setzt du bis zum läuten des Weckers nie den Stift ab. Ob du nun kreuz und quer oder strukturiert schreibst, ist dabei nebensächlich. Denn jeder Schreiber ist anders. Wichtig ist nur, dass du schreibst. Ohne Unterbrechung. Ohne redigieren. Ohne zu reflektieren. Ist die Zeit abgelaufen, kannst du dein Ergebnis bestaunen.

Jede dieser Kreativitätstechniken hat seine Vor- und Nachteile. Ich selbst versuche oft sie zu kombinieren. Starte doch einfach mal mit dem Brainstorming. Wenn dir eine Idee gefällt, schreib sie auf ein Blatt Papier und „freewrite“ dazu. Danach kannst du dem ganzen etwas Struktur verschaffen und Begriffe verknüpfen. Und siehe da: du hast geclustert.

Bei dieser Vielfalt an Vorgehensweisen findet sich für alle etwas. Am wichtigsten bleibt – finde die für dich beste Methode.

Der zweite Teil von „So bringst du deine Gedanken aufs Papier“ wird sich mit einem anderen Blickwinkel beschäftigen. Denn Kreativitätstechniken sind nun mal nicht alles.

Hattest du selbst schon Schreibblockaden oder kennst du noch andere Methoden? Erzähl uns davon! Nutze einfach das Kommentarfeld. Mehr Input für alle!